|
Märchen vom großen Glück
Ein Anspiel von Andreas Erben, 2002
Rollen: Hans, der Bauer
Franzi, die Bäuerin
Hilde, die Magd
Ein Wanderer
Die Stimme in der Höhle
Vorleser(in)
1. Szene: Daheim auf dem Hof
Franzi: Schau mal, Hans, wie schön unser kleiner Florian lacht. Er ist so ein zufriedenes und verständiges Kind. Wie glücklich können wir doch sein!
Hans: Davon macht sich die Feldarbeit aber trotzdem nicht von allein. Komm, Franzi, wir müssen in die Rüben!
Franzi: Gut, ich gebe unser Kind der Hilde.
Hans: Ja, aber schnell!
Franzi: Hilde, kannst du wieder auf unseren Florian aufpassen, wenn wir auf dem Feld sind?
Hilde: (Mit großem kariertem Tuch um den Kopf gewickelt, oben mit Knoten geschlossen) Oh weh, o weh, ich hab ja so ein Zahnweh!
Mir pocht’s im Kiefer, als ob da ein Specht dran hämmert. Nein,
den Florian kann ich heute unmöglich nehmen. Ich muss ins Dorf,
zum Schulzen, vielleicht kann mir der den Zahn ziehen. Oh weh,
mich hat’s erwischt. Freude am Leben hab ich nimmer
Hans: Ich hab dein Gejammer satt. Hab dich nicht so. Sonst suchen wir
uns eine andere Magd!
Franzi: (zu Hans) Was machen wir denn nun, wenn die Hilde ins Dorf muss?
Hans: Ach, den Florian nehmen wir mit aufs Feld. Der soll uns schon ein
rechter Bauer werden! Den Hof, den wird er eines Tages erben. Die
Hitze wird ihm schon nichts anhaben. (nimmt die Hacken)
(alle ab, Franzi und Hans ziehen mit ihrem Kind eine Runde im Saal, Franzi trägt
das Kind, Hans trägt zwei Hacken)
2. Szene: Auf dem Wege
Wanderer: Grüß Gott! Ist es noch weit bis zum Dorf, liebe Leute?
Hans: Ah, zum Dorf will er? Wo kommt er denn her? Recht staubig sind seine Schuhe.
Wanderer: Bin schon lange unterwegs. Habe rechts und links des Wegs die Welt gesehen. Was tragt ihr denn da im Arm, gute Frau?
Franzi: Das ist unser Florian, unser ganzes Glück. Der Hans, mein Mann,
der ist ja so stolz auf den Jungen, weil wir nun einen Stammhalter
haben und einen Erben dazu.
Wanderer: Passt nur recht gut auf den Jungen auf. Hab mit ansehen müssen, wie mancher sein Teuerstes verlor.
Ach, in dieser Welt ist so ein Drängen nach Lust und Geld. Mancher wird nicht eher satt, bis er dran erstickt.
Hans: Nun gut, genug der Rede. Ich bitt euch, lieber Herr, wenn ihr ins Dorf kommt, und unsre Hilde seht, die Magd, dann sagt ihr, wir brauchen sie bald auf dem Feld. Und nun guten Weg!
(trennen sich, Wanderer geht ab)
3. Szene: Die Höhle
Franzi: Was bist denn du so garstig, Mann?
Hans: Ich bin der guten Ratschläge müd. Ich brauch doch keinen Pfarrer auf dem Weg zum Feld. Der kann seine frommen Sprüche woanders lassen. Ich bin noch nie am Geld erstickt!
Franzi: Ach, Hans, du hörst dich ja fast wie die Hilde an. Hast du dich etwa angesteckt?
Hans: Jetzt hör mir bloß mit der Hilde auf. (stockt, kurze Pause, zeigt dann in eine Richtung) Du, da drüben blinkt und blitzt was, als wär’ es gleißendes Gold!
Franzi: Wo? Ich seh nichts. Du hast wohl zu lange in die Sonne gesehn?
Hans: Na, da drüben, am Berg, wo das Dickicht beginnt. Da, schau. Los, wir sehen mal nach, was das ist.
Franzi: Wart, Hans, lass doch die Hacken hier! Soll ich den Florian vielleicht mal kurz an den Wegrand legen?
Hans: Auf gar keinen Fall. Ich will nicht, das den Jungen die Raben holen. Los, komm, Hilde, vielleicht hat jemand was verloren und wir sind die glücklichen Finder.
(machen einige Schritte)
Franzi: Hier ist eine offene Tür und dahinter eine Höhle. Du, Hans, ich hab Angst. Ich möchte nicht mehr weiter gehen. Vielleicht sind Räuber in der Nähe oder jemand hält uns zum Narren.
Hans: Es blinkt und blitzt, als ob der ganze Berg voller Gold ist.
Stimme: Tretet ruhig näher.
Franzi: Du, Hans, mir ist ganz unheimlich zumut. Komm, wir gehen lieber.
Stimme: Tretet ein. Was ihr da seht, ist mein. Nehmt nur, was ihr wollt. Es ist genug da. Tragt hinaus von dem Golde, was immer ihr tragen könnt. Was ihr liegen lasst, das bleibt für mich.
Hans: Hast du gehört?
Franzi: Ich weiß nicht.
Hans: Na komm, ehe er’s sich anders überlegt. Das Gold kann doch nicht schaden.
(gehen in die Höhle hinein, man hört Klirren von Geld, kommen nach einer kurzen
Weile mit ausgepolsterten Taschen wieder heraus, können sich wegen der
Schwere der Last kaum auf den Beinen halten)
Hans: (erscheint als erster aus der Höhle) Nun komm schon, Franzi, erst wolltest du nicht und jetzt kannst du nicht genug bekommen!
Franzi: Na ja, es ist doch umsonst.
Stimme: Warum so eilig? Seid ihr schon fertig? Ist das alles, was ihr wollt? Habt ihr wirklich genug? Vergesst ihr auch das Beste nicht?
Hans: Schönen Dank, verehrte Stimme. Wir sind völlig zufrieden.
Franzi: Ja, vielen Dank, es war sehr nett. Aber mehr brauchen wir wirklich nicht.
(gehen langsam los, Tür fällt zu, sie setzten sich)
4. Szene: Der Preis des Goldes
Hans: Du, Franzi, kneif mich mal. Hab ich das alles nur geträumt? Sind wirklich unsere Taschen voller Gold? Das gibt’s doch nicht.
Franzi: Ach Hans, das ist der schönste Tag in meinem Leben. Von nun an werden wir keine Sorgen mehr haben. Hans, wir sind reich!
Hans: Du, da hinten kommt die Hilde, die hat uns grade noch gefehlt. So was Dummes. Das die gerade jetzt kommen muss. Die sieht das ganze Gold und morgen weiß es schon das ganze Dorf.
Hilde: Hallo, ihr da! (winkt und freut sich). Hallo! Ich habe eure Hacken am Weg gefunden! Was macht ihr denn hier? Warum guckt ihr denn so komisch? Soll ich wieder gehen?
Hans: Schön, das du da bist. Wir haben hier auf dich gewartet. Was denn ist mit deinem Zahn?
Hilde: Den hat der Schulze gezogen und mittlerweile hat ihn sicher der Hund verschluckt. Aber wo ist euer Kind?
Hans: Unser Kind?
Franzi: Unser Kind?
Hans: (Voll Entsetzen) Du, wir haben den Florian in der Höhle vergessen. Komm, schnell zurück.
Franzi: Das darf nicht wahr sein. Florian, wir kommen!
Hans: (schlägt an die verschlossene Tür) Mach auf! Wir wollen unser Kind!
Hilde: Florian, Florian! Hier, da hast du dein dummes Gold, ich will meinen Florian wieder haben (schlägt an die verschlossene Tür)
Hans: (nach einem Moment) Franzi, ich glaub es ist zu spät.
Vorleser:
Wie oft sind die Menschen, die um jeden Preis reich werden wollten,
den Versuchungen des Teufels erlegen;
wie oft haben sie sich in seinen Netzen gefangen!
Solche unsinnigen und schädlichen Wünsche stürzen die Menschen in den
Untergang und ins Verderben.
Denn alles Böse wächst aus der Habgier.
Schon mancher ist ihr verfallen und hat dadurch seinen Glauben verloren.
Wieviel Not und Leid hätte er sich ersparen können!
(1. Timotheus 6, 9.10, Hoffnung für Alle)
|